„Auf und ab“
Dies ist ein kurzer Multi-Cache von 500 Meter Länge auf denen es auf 50 Meter Höhenunterschied immer wieder auf und ab geht. Sie können starten durch WP1 (N 51 29,810 E 4 00 029). Den folgenden Text (außer vielleicht die Hinweise) ist nicht erforderlich Der text soll Euch die Entstehungsgeschichte Zeelands näher bringen, einer Geschichte von Aufstieg und Niedergang.
WP1 befindet sich am Ende einer Sackgasse. Dort könnt Ihr Euer Auto parken, und von hier startet auch dieser Multi. Er ist spielerisch aufgebaut und geht zum Teil steil bergauf bzw. bergab. Außerdem werdet Ihr durch zum Teil sumpfiges Gebiet gehen.
Startpunkt und Stationen
Am Startpunkt (WP1, diese Koordinate ist oben angegeben) und den folgenden vier Zwischenstationen (S1 bis S4) findet Ihr auf originelle Auf-und-Ab-Weise die Final-Koordinate:
ABC DEF = N 51° 29.ABC E 004° 00.DEF
Ihr müsst die Koordinaten durch einfache Auf-und-Ab-Mechaniken zum Vorschein bringen. Durch ihre Einfachheit sind die Mechaniken leider empfindlich. Bitte sendet dem Owner eine Mail, falls Ihr eine Mechanik vorgefunden habt, die Gefahr läuft, kaputt zu gehen, bzw. bereits zerstört ist, damit schnellstmöglich eine Reparatur oder Ersatz erfolgen kann.
Aufstieg durch fruchtbare Schlämme
(1300-1750)

Auf der Nordseite dieses Multis liegen
fruchtbaren Lehmböden. Wie kamen diese Böden hierher? Um das Jahr 0 stand hier
Primärwald auf einem sandigen Torf-Boden. Durch den Anstieg des Meeresspiegels während
der letzten Eiszeit wurde fast das gesamte Gebiet im 7. Jahrhundert vom Meer
überflutet und es entstanden zahlreiche
Bäche und ausgedehnte Schlickflächen. Dieser Schlick erwies sich als sehr
fruchtbar. Ab ca. 1300 begannen die Menschen diese Schlickflächen einzupoldern,
um sie landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Ebenso entstanden Burgen und
Schlösser. Das Gebiet, auf dem sich der Cache befindet, gehörte zu den Gütern
von Schloss Maelstede (siehe auch Mystery-Cache „Maelstede of Maalstede“
GC3YPE0).
Ein weiterer Impuls erfolgte 1585 durch die Schließung der Scheldezufahrt
Antwerpens durch die Niederländer. Dies führte dazu, dass Antwerpen vom
Seehandel abgeschnitten wurde und Zeeland eine große Blütezeit erfuhr. Dieser
Zustand konnte erst 1792 von Napoleon Bonaparte wieder aufgehoben werden und
führte letztlich dazu, dass Antwerpen zur heutigen Bedeutung gelangte.
Niedergang von Land und Leben
(1750-1870)
In südlicher Richtung liegen zwei Moor-Gebiete,
östlich das „Yerseke Moer“, westlich das „Kapelse Moer“, welche von den
Überspülungen durch die Nordsee nicht betroffen waren, da sie zu dieser Zeit
noch 4 Meter über N.A.P. lagen. Durch Torfgewinnung und natürliche Absenkung
sackte das gesamte Gebiet nach und nach
ab. Einsickerndes Meerwasser versalzte das Oberflächenwasser zunehmend, die Fruchtbarkeit
des Bodens nahm ab und es entstand das
einzigartige Naturschutzgebiet, in welchem ihr euch nun befindet.
Der ökonomische Niedergang der Region begann mit dem Wegfall der starken
Handelsposition durch Aufhebung der Antwerpener Hafenblockade und einem Verbot
auf Erhebung von Zoll für die Schelde-Passage. Neben dem wirtschaftlichen Verfall – der ca.
1850 seinen Höhepunkt erreichte – lässt
sich in den Jahren zwischen 1840 und 1870 zudem eine außerordentlich hohe
Säuglingssterblichkeit feststellen, die durch schlechte Trinkwasserqualität und
Unwissenheit begründet war. So wurden Säuglinge z. B. nicht gestillt, sondern
mit einem Brei gefüttert, der aus verunreinigtem Wasser und Brot hergestellt
wurde. Ein Umstand, der durch die Verbesserung der medizinischen
Versorgung, weitergehender Erkenntnisse auf
dem Gebiet der Hygiene sowie der Verbesserung der sozialen Systeme heute glücklicherweise nicht
mehr vorkommt.
An dieser Stelle ein Stammbaum-Ausschnitt, der die hohe Säuglingssterblichkeit verdeutlicht. Er steht stellvertretend für viele weitere Familien-Stammbäume und deren Schicksale aus dieser Zeit.
Arij Nijssen (79)
Geboren: 08-06-1798 Kloetinge, Getauft: 17-06-1798 Kloetinge, Gestorben: 08-11-1877 Kapelle Beruf: Landbauer
Hochzeit: 20-12-1821 Kapelle, mit: Elisabeth Jeremiasse (ca. 25), Geboren: ca. 1797 Kapelle Gestorben: 07-07-1822 Kapelle, Kinder: 2:
♀ Cornelia Nijssen * 07-07-1822
Totgeburt (0)
♂ Pieter Nijssen * 07-07-1822
Totgeburt (0)
Hochzeit: 20-09-1832 Wemeldinge, mit: Dina de Groene (51), Geboren: 06-04-1806
Wemeldinge, Getauft: 20-04-1806 Wemeldinge, Gestorben: 27-12-1857 Kapelle,
Kinder: 10
♂ Pieter Nijssen * 00-10-1833 - †
12-01-1834 (0)
♀ Neeltje Nijssen * 00-10-1833 - †
15-04-1834 (0)
♀ Maatje Nijssen * ca. 1835 - †
02-05-1903 (ca. 68)
♂ Adriaan Nijssen * 00-07-1836 - †
09-03-1837 (0)
♂ Adriaan Nijssen * ca. 1837 - †
04-11-1918 (ca. 81)
♂ Pieter Nijssen * 00-09-1838 - †
24-02-1840 (1)
♀ Neeltje Nijssen * 1840 - †
16-01-1844 (4)
♀ Pieternella Nijssen * 00-12-1840
- † 07-10-1841 (0)
♀ Pieternella Nijssen * 00-09-1842
- † 24-09-1843 (1)
♂ Pieter Herman Nijssen *
00-07-1846 - † 17-10-1846 (0)
Das waren
wirklich andere Zeiten, und das vor nur 160 Jahren!
Aufstieg
durch den Kanal (1870-1975)
Der „Kanal
door Zuid-Beveland“ verbindet Wester- und Oosterschelde und wurde 1866 eröffnet.
Er war ein ökonomischer Segen für die Gegend: In Wemeldinge machten die
„Parlevinker“ („Hausierer“ „Fliegende“ Händler, die ihre Waren auf den vor den
Schleusen wartenden Schiffen feilboten) ihre Geschäfte, und in Hansweert sorgte
die dort ansässige Werft für Arbeitsmöglichkeiten. (2 Caches: „Zicht op de
Parlevinker“ GC3G3WC und „zicht op scheepswerf Reimerswaal“ GC3G3X1)
Vor dem 15. Jahrhundert verlief der Schifffahrtsweg von der Nordsee nach
Antwerpen durch die Oosterschelde ins Kreekrak (bei Bath). Im 15. Jahrhundert
gewann der Weg über die Westerschelde durch die allmähliche Verflachung und
versandung des Kreekrak zunehmend an Bedeutung und Napoleon Bonaparte
beabsichtigte, Antwerpen zum größten nördlichen Seehafen seines Reiches zu
machen. Nach seinem Besuch im Jahre 1810 in Zeeland reichte der zeeländische
Wasserbau-Ingenieur Andries Schraver einen Plan zur Eindämmung des Kreekrrak
ein, - welches um diese Zeit bei Niedrigwasser bereits komplett trocken fiel.
Dieser Plan beinhaltete darüber hinaus auch die Anlage eines Kanals im
östlichen Teil von Zuid Beveland. Im Jahre 1839 fand die Trennung zwischen
Belgien und den Niederlanden statt. Als Teil des Trennungsvertrages
verpflichteten sich die Niederländer, für gute Binnenschifffahrts-Verbindungen
zwischen Belgien und dem Rhein zu sorgen. Zwei historische Verträge – nämlich
die „Slotacte van Wenen“ („Schlußakte von Wien“) aus 1815 und der
„Scheidingsverdrag“ (Trennungsvertrag) von 1839 – garantierten die freie
Durchfahrt durch die Schelde und verpflichtete beide Anrainer-Staaten
ausdrücklich, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, eine hindernisfreie
Schifffahrt zu ermöglichen. Der Bau des Kanals verzögerte sich zunächst, erfuhr
jedoch wieder Beschleunigung, als klar wurde, dass sich eine Abdämmung des
Kreekrak für die Anlage der von Bergen op Zoom ausgehenden Eisenbahnverbindung als kostengünstig erwies.
Der Kanal war bis 1975 eine der am dichtesten befahrenen Wasserstraßen von
Europa. Danach gewann der „Schelde-Rijn-Kanaal“ zunehmend an Bedeutung, welcher
als Resultat des Vertrages vom 13. Mai 1963 nach jahrelangen Verhandlungen und
der Forderung Belgiens nach einer schnelleren Verbindung zum Rhein angelegt
wurde. Dieser Vertrag regelte unter anderem auch, dass die Niederlanden ohne
Zustimmung Belgiens keine wesentlichen Änderungen oder Stilllegungen an den
Kanalsystemen vornehmen durften.
Als Teil
des Delta-Plans wurden die Schleusen des „Kanaal door Zuid-Beveland“ in
Wemeldinge (zwei Caches: „Sluisplateau Wemeldinge“ GC3G2MC und „‘t Peilhuisje“
GC3G8TG) aufgegeben und in Wemeldinge (zwei Caches: „Rondje Amos“ GC3F7YD und
„zicht op de sluizen“ GC3G3XV) ein neuer, moderner Schleusenkomplex für die
Passage größerer Schiffe errichtet. Die Arbeiten wurden 1993 abgeschlossen. Die maximalen Abmessungen für die Durchfahrt
belaufen sich auf eine Länge von 200 Metern für Einzelschiffe bzw. 150 Metern
für Schubverbände, sowie 23 Meter Breite und 4,75 Meter Tiefgang. Jährlich wird
der „Kanal door Zuid Beveland“ von ca. 44.000
Schiffen befahren, davon entfallen auf die Freizeit-Schifffahrt ca. 10.000
Fahrzeuge.
Die
Post-Brücke (seit 1992)
Die
Postbrücke weist eine Höhe von 10,5 Metern über N.A.P. auf. Die Gemeinde
Yerseke hatte einmal den Plan, einen Aussichtsturm für den Blick auf das Moor
zu bauen. Dies ist seit dem Bau der Brücke mehr als unnötig geworden! Der
bewegliche Teil ist eine Klappbrücke, die mittels Gegengewicht geöffnet wird.

Die Bedienung der Brücke erfolgt per Fernbedienung vom Schleusenkomplex
Hansweert aus. Derzeit wird das komplette System auf ein neues, moderneres
Verfahren umgestellt, sodass Brücken und Schleusen von verschiedenen Stellen
aus gesteuert werden können und Öffnungsanfragen digital gestellt werden
können. Oben auf der Brücke hat man eine prächtige Aussicht über die
Oosterschelde Richtung Tholen und Bergen op Zoom. Zudem findet man hier eine Informationstafel
zur Entstehungsgeschichte dieses Gebiets.
Ein paar Meter weiter befindet sich ein Mahnmal für die gefallenen Soldaten
eines französischen Regiments, welches im Zweiten Weltkrieg die Postbrücke
verteidigt hatte. Kurz nachdem deutsche Truppen in der Nacht vom 09. Auf den
10. Mai 1940 die niederländische Grenze übertraten, setzten sich aufgrund eines
geheimen Abkommens englische und französische Truppen zur Verteidigung der
Niederlanden in Bewegung. Hier ein kurzer Augenzeugenbericht zu den
Geschehnissen in der Umgebung der Postbrücke, um die Greuel des Krieges zu
verdeutlichen, und wie froh wir über die Zeit des Friedens sein können, in der
wir leben:
„Mein
Vater war Bauer und er ließ seine Kühe auf den Wiesen zwischen Postbrücke und
Teekenburg weiden. Mein Bruder fuhr mit seinem Fahrrad los, um die Kühe zu
melken, kehrte aber schon nach einer halben Stunde wieder zurück und erzählte,
dass alle Kühe und Pferde tot seien. Die französischen Soldaten hatten die Tiere
als Deckung gegen den deutschen Beschuss an der Postbrücke genutzt. An einem
Bauernhof bei Maalstede sah ich drei Gräber, auf denen französische Helme
lagen. An einer anderen Stelle sah ich einen gefallenen französischen Soldaten,
der hinter einem Strauch lag. Er hatte noch ein Stück Brot im Mund und in
seinem Helm war ein Einschussloch zu sehen. Ich hatte noch nie einen Toten
gesehen. Das Gesicht des Toten hatte eine traurigen Ausdruck und ich musste
meine Augen schließen. Am Deich waren ungefähr zwölf französische Soldaten
begraben, von einigen ragten noch ihre Schuhe aus dem Boden und überall lagen
Ausrüstungsgegenstände sowie Kleidung, Briefe, und anderes herum. Ungefähr 25
deutsche Soldaten versuchten, die beschädigte Brücke mit Stahlplatten zu
verstärken.“
Die
Verträge
Bei der
Erstellung dieses Caches wurde eine Anzahl wichtiger Verträge gefunden, die für
Geschichte und Entwicklung dieser Gegend von großer Wichtigkeit waren. Den
Anfang machte ein ungewollter Konflikt zwischen Antwerpen und den sieben
niederländischen Provinzen im Jahre 1585: Antwerpen war nämlich zunächst Teil
der sieben Provinzen, wurde jedoch durch Spanien eingenommen. Darauf
beschlossen die Provinzen, die Schelde oberhalb von Antwerpen zu blockieren. Kurz
danach wurden die Grundlagen für die heutige Regierungsform in den Niederlanden
gelegt. Die langjährigen Auseinandersetzungen um die Blockade Antwerpens, die
für Zeeland eine Blütezeit bedeutete, gipfelten in der Trennung von Belgien und
den Niederlanden. Und die Anstrengungen zur Aufhebung der Hafenblockade machten
Belgien letztlich zum dem wichtigen Mittelpunkt des heutigen Europas. Durch die
Garantie eines zollfreien Hafens wusste Belgien die europäischen Länder von
sich zu überzeugen und damit Druck auf die Niederlanden auszuüben. Die daraus
resultierenden Vereinbarungen werden beide Staaten noch lange beschäftigen.
Zusätzliche Hinweise auf Deutsch:
WP1:
Haken im Strauch, NUR DREHEN, keine Gewaltanwendung oder Demontage nötig!
S3 : bank
S4: Feder mit der flachen Hand anheben
